Es sind nur noch wenige Tage bis ich das erste Mal an der Startlinie eines Ultra-Marathon stehe. Ende letztes Jahr hatte ich mich voller Mut angemeldet, und mit voller Kraft posaunt, ach das packen wir schon, aber jetzt so kurz vor Startschuss gerate ich leicht in Panik. Und für einen Ultra zu trainieren ist nicht nur Spass.

Die Fakten: Innsbruck Alpine Trailrun Festival – Strecke 65 km – 2100 HM Aufstieg und 2100 HM Abstieg. Eine Runde mit atemberaubenden Alpenpanorama und Startpunkt im schönen Innsbruck. Eigentlich hört sich das ja ganz nett an, Schuld an allem trägt Lena, die mich dazu mehr oder weniger überredete.

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Das Streckenprofil

 

Die Hauptdarsteller:

Lena: Lena ist wie gesagt, verantwortlich, dass ich mich überhaupt angemeldet habe. Sie ist am liebsten auf Trailstrecken und in den Bergen unterwegs, mit dabei meist ihr Traildog Luggi. Ihre Liebe ist das Sammeln von Höhenmetern und sie liebt Kuchen. Durch Instagram kamen wir in Kontakt und trafen uns das erste Mal persönlich im September 2014 beim Viking Women’s Trail Wochenende in Zell am See. Ich war damals selbst in der Vorbereitung auf meinen ersten Marathon in Amsterdam, aber mein Interesse an Trailrunning wurde da schon geweckt und Lena inspirierte mich dazu. Irgendwann kam dann der Vorschlag lasst uns einen Ultra laufen.

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Iris: sie überspringt dann gleich mal die Marathondistanz und ist auch Trailrun-Rookie. Iris ist ausserdem oft mit dem Bike unterwegs und hatte vor Kurzem mal die Idee 65 km radeln zu müssen, da kommt die Angst dann von ganz alleine. Auch sie hat einen Hund, den etwas betagten Packo, der leider nicht mehr mitlaufen kann und ich mag ihre Selfies, sie ist ganz wunderbar als Waffelschnittchen .

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Meine Knie: unsere anfänglichen gemeinsamen Bergläufe, so schön sie waren setzten meinen Knien immer mehr zu. Ich erinnere mich nur ungern an den Abstieg von der Hochries , ich musste bergab verlangsamen und jeder Schritt war eine Tortur. Gefühlt hatte ich mich wie eine Omi auf Krückstöcken anstatt eine Trailläuferin mit Wanderstöcken. Das war auch der Punkt, an dem ich dann sofort den Orthopäden aufsuchte. Die Diagnose besagte dann Dysbalance und etwas verschobene Kniescheibe, was den Schmerz auslöste.

Mein Lauftraining reduzierte ich drastisch. Ich lief selten und nur kurze Läufe und alle Übungen im Fitnessstudio, welche die Knie beanspruchten wurden vom Trainingsplan gestrichen. Ich besuchte drei Wochen die Physio und arbeitete gegen die Knieschmerzen mit viel dehnen, blackroll und Stärkung meiner Schwachstellen. Anscheinend funktionierte es, denn ab Ende Februar konnte ich wieder voll einsteigen ohne weitere Beschwerden bis heute.

 

Die letzten Trainingswochen waren allerdings nicht von sehr vielen Höhenpunkten geprägt, aber lest selbst:

Hochries Umrundung, 29 km mit 1750 Höhenmeter mit Lena und Caro einer Freundin am Osterwochenende. Die vielen Höhenmeter machten mir zu schaffen, ich trottete den Bergfeen meistens hinterher und das Ziel 40 km zu laufen wurde leider verfehlt. Aufgrund von Regen im Tal, liefen wir immer wieder nach oben in eine schöne weisse Winterlandschaft. Allerdings die fehlenden Kilometer bereiteten mir Sorgen, wir hatten zu dem Moment nur noch 5 Wochen bis zum Ultra.

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Ein Wochenende später verabredete ich mich auf einen 40 km Trainingslauf an der Isar. Es sollte der erste schöne Frühlingstag in München werden, was mich irgendwie völlig unvorbereitet traf. Aber manche Dinge lernt man dann eben auf die harte Tour, mit viel zu wenig Wasser, ohne Kopfschutz, ohne Geld und ohne Ubahn-ticket ging es los. Bereits bei ca km 25-27 km hatte ich kein Wasser mehr im Trinkrucksack. Ich trank deswegen von Anfang an sehr sparsam und generell hatte ich aufgrund der Sonne und Anstrengung schon zu Beginn Kopfschmerzen. Wir suchten den nächsten Biergarten im englischen Garten auf, der Aumeister war brechend voll, die Biergartensaison hatte begonnen und ich hätte nichts lieber getan, als mich dort niederzulassen. Zu dem Moment waren wir übrigens bei Km 30 angelangt. Ich wollte weiterlaufen, ich wollte endlich den ersten langen Trainingslauf über 40 km in der Vorbereitung knacken. Die 40 km hatte ich mit ach und Krach geschafft, die letzten 2 km torkelte ich mit Übelkeit, Schwindel und richtig heftigen Kopfschmerzen regelrecht heim und dort hatte es mich dann umgehauen. Es war das erste Mal, dass mein Körper mir sagte, bis hier hin und nicht weiter.

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Das letzte lange Training sollte die Umrundung des Ammersees werden, 45 km im Dauerregen wurden es. Noch so ein Top Vorbereitungslauf, aber sozusagen mein erster Ultra. Ohne meine Laufbegleitungen wäre ich wahrscheinlich nicht mal losgelaufen bzw. hätte es gar nicht durchgestanden. Ihr könnt euch vorstellen, wie sich so eine Strecke auf das Gemüt auswirken kann. Ich hatte gegen das Wetter zu kämpfen und immer schwerer werdende Beine, zum Schluss tat jeder Schritt weh. Einzig die Vorstellung an Kaiserschmarrn und der Support meiner Freunde hielt mich in Bewegung. Als Belohnung gab es dann natürlich den langersehnten Kaiserschmarrn.

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Wie ihr seht einen richtig glücklichen und zufriedenstellenden langen Trainingslauf konnte ich in den letzten Wochen nicht abspulen. Es werden verdammt ultra lange 65 km. Aber denken wir positiv und worauf ich mich am meisten freue: Ich werde wunderbare Menschen treffen, eine wunderbare Landschaft und tolle Ausblicke geniessen und es geht mir gar nicht, um irgendwelche Bestzeiten oder Höchstleistungen. Ich will mir vielleicht selbst beweisen, dass ich soweit laufen kann, aber wenn es nicht klappt, dann versuche ich es ein anderes Mal. Eines ist sicher, ich werde am 30.04.2016 an der Startlinie stehen und freue mich auf meine verrückten Mädels und ein richtig schönes Naturlauferlebnis. To be continued….