Es ist mal wieder an der Zeit für eine Motivation und deswegen stelle ich euch nachfolgend Marlen von Trailkitchen vor. Mit Trailrunning hatte ich in der Vergangenheit wenig zu tun, doch Ende letzten Jahres wurde ich durch diverse Laufbegegnungen immer mehr dazu inspiriert. Und weil mein Interesse nun so gross geworden ist und ich in ein paar Tagen meinen ersten Ultra bestreiten werde und zwar auf Trailstrecken, habe ich der erfahrenen Marlen ein paar Fragen gestellt.

Marlen hat ihr Herz ans Trailrunning und ihren Magen an gutes Essen verloren. Die Wahlmünchnerin nimmt euch auf ihrem Blog: www.trail-kitchen.com mit auf ihre Läufe und in ihre Küche. Ich habe mir ein paar Tipps bei ihr abgeholt.

Trailrunning

Marlen erzähle doch mal wie du zum Laufen / Trailrunning gekommen bist?

Laufen als Sport habe ich bereits in der Grundschule geliebt. Bei meinen Eltern lief ich meine „Hausstrecke“ nie ohne die Überquerung eines kleinen Berges. Dass man den Geländelauf offiziell als Trailrunning bezeichnet, habe ich von meinem Arbeitskollegen Mario erfahren. Durch ihn bin ich zum Trailrunning gekommen und wir laufen jetzt schon seit ein paar Jahren gemeinsam. In diesem Jahr starten wir als Team beim Transalpine Run (TAR).

Was macht Laufen für dich aus?

laufen bedeutet mir ganz viel. In erster Linie ist es mein lieblingssport. Das bedeutet, dass ich viel Zeit mit Laufen, aber auch mit alternativem Sport, wie Aquajogging oder Krafttraining verbringe. Laufen ist für mich „Quality Time“.
Beim Laufen direkt kann ich mich je nachdem mit Intervallen auspowern oder auf einem schönen Trail den Kopf frei kriegen und die Natur genießen. Wenn ich mit Freunden unterwegs bin, dann quatschen wir natürlich die ganze Zeit.
Laufen heißt für mich aber auch ab und an die Wettkampfsau raus zu lassen, schneller zu werden oder noch längere Strecken zu schaffen. Und sich mal durchzubeißen, wenn es richtig anstrengend wird.

Dein großes Ziel ist der TAR dieses Jahr, wie bereitest du dich darauf vor?

Einen festen Trainingsplan für den Transalpine Run habe ich nicht. Was ich möglichst oft trainiere ist Trittsicherheit im Gelände. Geschicktes Laufen und Wendigkeit finde ich wichtig, um ein Umknicken im Fuß und damit eine Verletzung zu vermeiden. Meine Fußgelenks- und Beinachsenstabilität trainiere ich regelmäßig daheim auf dem Bosu.
Bei jeder sich bietenden Gelegenheit sammle ich Höhenmeter. Das kann bei einem ausgedehnten Treppentraining, bei Bergsprints oder bei kleineren Trailrennen im Vorfeld des TAR sein. Denn jeder Höhenmeter zählt!
Aber letztendlich laufen wir den TAR nicht, um da irgendwas zu gewinnen, sondern um diese krasse Herausforderung zu meistern. Der größte Gewinn wird in diesem Rennen sein, als Team in Brixen anzukommen. Mein Teampartner Mario ist bereits vor zwei Jahren den TAR gelaufen. Da versuche ich jetzt natürlich auch von seinen Erfahrungen zu profitieren.

Was war dein schlimmster sportlicher Moment?

Wenn ich gegen meinen Freund im Tischtennis verliere! 🙂
Einen richtig schlimmen Moment hatte ich zum Glück noch nie, was mich allerdings stark an meine Grenzen brachte,  waren Probleme  mit dem Essen auf meinem ersten Etappenlauf, den 4 Trails 2015.
Am Vorabend des Wettkampfs gab es Pasta und dann an jedem weiteren Abend auch. Ich stand am dritten Tag des Rennens echt mit Tränen in den Augen am Buffet, weil ich keine Pasta mehr runter bekommen habe. Nicht nur die Pasta war ein Problem, ich habe generell einfach keine Mahlzeiten mehr herunter bekommen, obwohl ich wahnsinnig Hunger hatte. Mir war klar, dass ich unbedingt etwas essen musste. Mit viel Cola und starkem Willen habe ich mich aber durchgekämpft und bin am vierten Tag überglücklich im Ziel angekommen.

Trailrunning

Ernährung ist für dich…?

Sehr wichtig, aber kein Dogma. Ich liebe gutes Essen, esse wahnsinnig gerne – und viel. Gemüse und Obst sind dabei der größte Teil auf meinem Speiseplan. Aber ich bin da auch nicht zu streng zu mir: Wenn ich Lust auf eine Cola oder Schokolade habe, dann trinke und esse ich das auch mit Genuss.

Trailrunning

Ich habe auf deinem Blog gelesen, dass du an Osteoporose leidest, was bedeutet das genau in Bezug aufs Laufen ?

Durch meine zu geringe Knochendichte muss ich beispielsweise bei rasanten Downhills im Gelände vorsichtig sein. Auch bei Sprüngen auf steinernem Untergrund sollte ich aufpassen, um meine Knochen dabei nicht zu starken Belastungen auszusetzen, da es schneller als bei gesunden Menschen zu einem Knochenbruch kommen kann. Mein Laufpensum darf ich zudem nicht allzu hoch ansetzen, weil ich schon mehrfach, an beiden Beinen und Füßen, Ermüdungsbrüche hatte. Von meiner allgemeinen Fitness aus gesehen könnte und würde ich gerne noch mehr Sport betreiben, noch mehr laufen – aber ich muss mich da oft zügeln und meinen Knochen zuliebe einen Gang runter schalten. Es fällt mir manchmal unheimlich schwer, das zu akzeptieren.

Da ich kurz vor meinem ersten Ultra stehe, welche Tipps hast du für Ultra-Anfänger?

Ultra-Distanzen sollte man von Beginn an nie zu schnell angehen. Man kann am Ende der Strecke noch etwas Gas geben, sofern die Kraft noh vorhanden ist.
Ich habe bei einem Ultratrail in der Regel Laufstöcke dabei, vor allem wenn einige Höhenmeter zu überwinden sind. Bergauf kann man dann in den Allrad-Antrieb wechseln, was man aber vorher geübt haben sollte. Grundsätzlich gilt, wie bei jedem andern Wettkampf auch: Nichts neues ausprobieren! Man sollte das essen, was einem auch im Training gut bekommen ist und die Laufsachen anziehen, in denen man gerne und bequem laufen kann.
Was mir auf langen Distanzen hilft, ist mich mit „pjur active“ an den Stellen einzureiben, an denen man sich wundscheuern kann. Meine Füße reibe ich damit ein als Blasenschutz, das hilft mir immer sehr gut.
Auf Ultratrail-Wettkämpfen wird von den Veranstaltern manchmal eine Pflichtausrüstung vorgeschrieben. Im hochalpinen Gelände macht das durchaus auch Sinn, da Wetterumschwünge rasant eintreffen können, und man mit wetterfester Kleidung dafür gewappnet sein muss. Auf der Internetseite des jeweiligen Trail-Wettkampfes gibt es immer ausführliche Angaben zur Pflichtausrüstung, die man in seinem Laufrucksack mitnehmen muss. Also früh genug prüfen, falls man noch etwas kaufen muss.
Manchmal kann es eine ganze Weile dauern, bis man zur nächsten Verpflegungsstation kommt. Daher ist es unbedingt notwendig, genügend Wasser dabei zu haben. Ich habe auch immer ein paar Snacks dabei, die ich gut vertrage, denn Verpflegung, Magnesium und vielleicht auch Salztabletten, wenn man viel schwitzt, sollte man immer dabei haben.
Die mentale Verfassung ist für mich genauso entscheidend, wie die körperliche Fitness. Wenn man ständig auf die Laufuhr schaut und herumrechnet, wie viel Zeit man noch bis ins Ziel brauchen wird, kann das ziemlich demotivierend sein und ist in meinen Augen die falsche Herangehensweise. Lieber die Landschaft genießen und die Zeit, die man sich für diesen wunderbaren Sport gönnt. Ultras dauern eben manchmal ultra lang. Man sollte sich einfach nicht verrückt machen!

Abschliessend noch, was inspiriert dich?

Ich bin ein sehr neugieriger Mensch und besonders anfällig, für visuelle Inspirationen. Das können schöne Trailrunning Fotos sein, bei denen ich am liebsten auf Reisen gehen würde oder auch ein lecker aussehendes Gericht, das ich unbedingt nachkochen muss.
Am meisten aber inspirieren mich die Begegnungen mit anderen Menschen. Ich finde es immer wieder aufs neue großartig, wen ich speziell durch die gemeinsame Begeisterung fürs Laufen oder Trailrunning kennenlernte. Einige Laufpartner/innen sind mittlerweile zu guten Freunden geworden. Der Austausch mit ihnen und das Mitverfolgen ihrer Ziele und Erfolge inspiriert und motiviert mich.
Vielen Dank liebe Marlen.
Trailrunning
Schaut doch mal bei ihr rein.
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