Oh New York. Du warst wunderbar. Ein Once in a Lifetime Erlebnis – der TCS New York City Marathon 2019. Ich bin zurück im ruhigen München, München ist wirklich ruhig im Vergleich zu den Straßen von New York und vor allem enger. Ich habe mich selten so sehr auf ein Laufevent gefreut, die Erwartungen waren hoch und in dieser Stadt gibt es einfach an jeder Ecke Neues zu entdecken. Eine wirklich verrückte und leuchtende Metropole. Wie ich mich auf diesen einmaligen Lauftag vorbereitet habe, kannst du hier nachlesen.
breite strassen new york
Laufen kann man überall und Marathondistanz ist immer eine Herausforderung, egal wo. Wenn man das Ziel erreicht, ist man in einem Glückszustand. Der NYC Marathon ist in vieler Hinsicht allerdings etwas anderes, die Nichtfinisherquote ist gering, die Lautstärke umso höher als bei anderen Events und der Erlebnisfaktor unschlagbar. Höhen und Tiefen gibt es aber auch bei diesem Marathon, kommt mit mir nochmals auf die 42,195 km durch New York. Das Motto des Marathons „It will move you“ passt perfekt.
ziellinie ny marathon central park

Reiseplanungen für New York

Das Wetter war für Anfang November einfach großartig. Blauer Himmel und Sonnenschein und das vier Tage lang. Nur der Wind ließ uns spüren, dass die kalte Jahreszeit im Anmarsch war. Aber nichtsdestotrotz hatten wir ideale Bedingungen zum Erkunden der Stadt sowie für den bevorstehenden Marathontag. Wir reisten am Donnerstag vor dem Marathon-Wochenende an und der Abflug war für den darauffolgenden Montag gebucht.
flatiron gebaeude new york
Die Planung und Reisevorbereitungen für den TCS New York City Marathon sind sehr viel aufwendiger als man denken mag. Wir waren zu siebt und entschieden uns, über den Reiseveranstalter Ali Schneider zu buchen. Dieser ist der günstigste, aber dafür auch wenig individuell bzw. man darf nicht viel erwarten. Wir buchten lediglich Hotel, Startplatz und Shuttle zum Start. Um den Rest kümmerten wir uns selbst. Für mich gestaltete sich die Anmeldung auf der New York Road Runners Plattform umfangreich und zeitaufwendig. Auch die Esta-Anmeldung für die Einreise kam noch hinzu. Alles in Allem sehr viel Schreibkram für 42,195 km.
runfurther crew in new york
Einige Wochen vor dem großen Tag erhielt ich meine Bestätigung, in welcher Welle ich starten sollte. Die Enttäuschung war groß. Ich wurde in den 10:35 Uhr Startblock eingeteilt, während all meine Lauffreunde bereits für die 10:10 Uhr Welle feststanden. Im Hinblick auf die lange Wartezeit ein Schlag ins Gesicht und ich war sehr traurig. Dieser Gedanke belastete mich bis zum letzten Tag sehr. Ich stehe beim größten Marathon der Welt allein am Start, das war wirklich nicht mein Wunsch. Zur Information, ein Wechsel in die vorhergehende Welle ist nicht möglich, nur der Wechsel nach hinten. Das wollte ich allerdings niemanden bei den eh schon enormen Wartezeiten zumuten. Somit flog ich mit einem ungutem Gefühl in die USA, in der Hoffnung doch irgendwie einen Weg zu finden gemeinsam mit der Gruppe starten zu können. Auch das Packen für die große Reise gestaltete sich nicht so einfach. Für die Wartezeit mussten warme Sache gefunden werden, auf die man danach gerne verzichten kann, da diese gespendet werden. Untergebracht waren wir übrigens im Skyline Hotel, das drei Sterne hat. Ein einfaches Hotel, das für Laufreisen völlig OK ist. Es liegt in Manhattans Viertel Hell’s Kitchen (50th Street / 10th Avenue). Die Lage ist super, unweit vom Central Park (Marathonziel) und vom Time Square gibt es viel zu entdecken und die Gegend hat Charme.
manhattan hell's kitchen

Abholung Startunterlagen

Unser Aufenthalt in den USA war irgendwie komplett auf diesen Marathon ausgerichtet. Die Tage vor dem Marathon sind wir viel gegangen (zwischen 25.-30.000 Schritte täglich), haben einen Morning Run gemacht und die Marathon Messe in Javits Convention Center besucht. Hier sollte sich nun entscheiden, ob ich alleine oder in der Gruppe starten könnte. Entsprechend aufgeregt war ich, hatte Tränen in den Augen. Ich war traurig, dass ich meine Startunterlagen allein weiter hinten abholen musste, als der Rest der Gruppe.
tcs new york city marathon lauf

Kann man die Startwelle beim New York Marathon nach vorne wechseln?

Als ich meine Startnummer in den Händen hielt, versuchten wir unser Glück an der Information, wurden an den Support Schalter verwiesen, bekamen auch hier wieder die bekannte Antwort, man könne nicht nach vorne wechseln. Wir blieben hartnäckig und wurden in ein Hinterzimmer geschickt, mussten eine Nummer ziehen und warten. Irgendwann wurden wir aufgerufen. Eine freundliche Helferin hörte sich meine Geschichte an, fragte, ob ich eine Marathonzeit von unter 03:59:36 Stunden nachweisen könne und ich konnte. Ich rief mein Ergebnis des Krakau Marathon im Internet ab. Sie machte somit eine Umschreibung möglich und machte mich damit sehr glücklich. Der Fehler bestand übrigens darin, dass ich mich mit Zielzeit 03.59:59 angemeldet hatte und nicht wie die anderen mit 03:59:00. Was ein paar Sekunden auslösen können.

 

umschreibung startwelle new york city marathon

Einkehrtipp: Bester Kaffee New Yorks

Auf der Messe hielten wir uns nicht allzu lange auf, hatte auch irgendwie mehr davon erwartet, aber nicht schlimm. Wir schlenderten einfach noch weiter in New York umher. Übrigens Essen ist ja auch ganz wichtig und den besten Kaffee der Stadt haben wir auch ausfindig gemacht (endlich mal keine Wegwerf-Becher, sondern richtige Tassen aus Porzellan). Deswegen mein Tipp, das Cafe REX in der 10th Avenue (zwischen 56th und 57th Street). Sehr unauffällig, aber perfekter Service, lässig und lecker.

Raceday – der TSC New York City Marathon – A dream comes true

Unser Bus-Shuttle holte uns bereits um 05:30 Uhr ab. Gut das in New York die Umstellung auf Winterzeit immer am Race-Wochenende erfolgt, somit konnten wir eine Stunde länger schlafen. Es war noch dunkel. New York ist laut, hektisch und windig, an diesem Marathontag hatten wir von allem viel, aber auch viel Sonne. Das Wetter war perfekt zum Laufen. Aber weniger perfekt zum Warten und zwar ganze vier Stunden mussten wir in Fort Wadsworth auf Staten Island auf den Start regelrecht ausharren.
fort wadsworth new york city marathon
Ich entschied mich, mich dauerhaft zu bewegen und nicht irgendwo hinzusetzen oder hinzulegen. Die Zeit verging dennoch wie im Flug. Vor Ort bekommt man eine sehr gute Verpflegung, Bagels und heißen Tee oder auch Kaffee. Leichte Kost und der Tee wärmt. Toilettengänge sind kein Problem, auf dem Areal sind über 1.500 Toiletten aufgestellt. Die Organisation ist wirklich gut. Schilder weisen den Weg und viele Helfer stehen bereit, um Fragen der Teilnehmer zu beantworten.
warten vorm tcs new york city marathon
Eine kurze Zeit vor dem offiziellen Start um 10:10 Uhr wird unsere Startwelle aufgerufen und wir reihen uns in den abgegrenzten Bereich ein. Hier zogen wir unsere warmen Sachen aus und warfen diese in die Kleiderspende. Langsam ging es Richtung Start. Nach stundenlangen Warten standen wir direkt vor der Verrazano Narrows Bridge, eine beeindruckende zweistöckige Hängebrücke, die Staten Island mit Brooklyn verbindet. Ein sehr emotionaler Moment. Immerhin mussten wir ein ganzes Jahr darauf warten. Frank Sinatra singt „New York, New York“, aber wir schaffen es leider nicht rechtzeitig über die Startlinie bevor das Lied vorbei ist. Das finde ich etwas schade. Und es geht los. Ich möchte nachfolgend nicht jede Einzelheit des Rennens aufzählen, nur ein paar Impressionen. Eines vorweg, New York hat was.
new york city marathon verrazano narrows bridge
Dieser Marathon ist wegen seiner Hügel und Brücken auf jeden Fall sehr anspruchsvoll. Man sollte die Strecke mit Bedacht einteilen und schwere Passagen eher gebremst angehen. Nun ja ganz so einfach ist das nicht, denn gleich auf der ersten Hälfte des Rennens wartet eine unglaubliche Partymenge in Brooklyn auf die Teilnehmer. Insgesamt sollen ja mehrere Millionen Zuschauer an der Strecke stehen. Es ist schwer sich hier auf den Körper zu konzentrieren und nicht auf die Menschenmenge, welche einen doch sehr pusht. Ich finde Brooklyn ist unglaublich cool, bei Sonnenschein laufe ich mit meinem Freund Pawel viel zu schnell durch. Bei Meile 9 (km 15) wartet unsere Lauffreundin Renee auf uns. Unzählige WhatsApp Messages meiner tollen Laufcrew, die uns aus München virtuell begleitet (um genau zu sein 228) motivieren uns während des gesamten Laufes. Ich kann nicht in Worte fassen, wie toll eine Laufcommunity sein kann, aber hier in New York hatte ich das Gefühl zu schweben.
new york city marathon brooklyn
Irgendwann erreichen wir den Abschnitt bzw. das jüdische Viertel der orthodoxen Juden, es ist still. Ein krasser Unterschied. Die Einwohner gehen ganz normal ihrem Alltag nach. Es tut gut mal Stille zu haben, bevor es ein / zwei Kilometer weiter in Queens, dann wieder in voller Lautstärke, weiter geht. Ich habe bei keinem anderen Event so einen Geräuschpegel erlebt.
Bei Kilometer 25 verlasse ich Pawel, unsere Geschwindigkeit ist zu unterschiedlich und das unstetige Tempo macht meine Beine müde bzw. ich komme kaum noch in Tritt.
Ich laufe übrigens in kurzer Kleidung, genau richtig für den doch sehr warmen November Tag. Der Streckenanteil die First Avenue runter ist wieder richtig cool, eine breite Straße und der Blick geradeaus gerichtet. Die Zuschauer verteilen Süßes, ich esse unterwegs Snickers, Pfannkuchen und etwas Obst, benötige deshalb auch nur ein Gel auf der Gesamtstrecke. Die Verpflegung ist äußerst gut, alle paar Kilometer gibt es Wasser, Iso und Obst.
strecke tcs new york city marathon
Das letzte Viertel des Marathon ist anstrengend, mir werden die Zuschauer auch irgendwie zu viel. Man hat kaum die Chance nach Gefühl zu laufen, immer wieder wird man angefeuert, „You can do it“ oder „Go Go Go“. Mal kurz das Tempo rausnehmen scheint unmöglich. Die Sub 4 ist allerdings nicht mehr machbar und deshalb laufe ich einfach weiter ohne zusätzlichen Ehrgeiz. Ich erreiche den Central Park, welcher sich einige Kilometer zieht. Nach wie vor bekomme ich Nachrichten über WhatsApp und die geben mir immer wieder einen Schub. Ich weis genau wer aus der Gruppe wo läuft, Marcel hatte mittlerweile mit 03:33 Stunden gefinished – langsam für ihn – und ich befand mich an Position zwei mit einer errechneten Zielzeit von etwas über 4 Stunden. Die TCSNYMarathon App ist klasse beim Tracking.
bruecken tcs new york city marathon
Der letzte Kilometer war gefühlt der langsamste. Ich freute mich sehr auf den Zieleinlauf. Meine offizielle Zielzeit stoppte bei 04:11:09 Stunden und ich nahm die Finisher Medaille mit Stolz entgegen. Das war mein 6. Marathon. Mit dem Läuferstrom ging ich Richtung Kleiderbeutel, der Weg dorthin zog sich. Es kühlte sehr schnell ab. Auf die anderen zu warten machte leider keinen Sinn, ich wäre erfroren. Als Belohnung ging ich auf dem Weg zum Hotel im Café Rex vorbei. Dort traf ich Marcel wieder. Wie bereits erwähnt der beste Kaffee New Yorks und natürlich mit Medaille um den Hals.
medaille new york city marathon

Fazit zum TCS New York City Marathon

Das war also der TCS New York City Marathon. Sicher ein Laufevent der Extraklasse, der Läufer und Menschen unterschiedlicher Herkunft, jeglicher Fähigkeit und Alters und aus aller Welt zusammenführt. Auf der Laufstrecke waren Läufer aller Altersklassen, Junge und Alte, Läufer mit Behinderungen, Veterans der US Army, alle Hautfarben, alle Kontinente, alle Sprachen, schnelle und langsame, Einzelläufer und Gruppen. Und ich kann sagen ich war dabei. Ein großartiges Gefühl. Aber für mich definitiv nur ein einmaliges Event. Es soll besonders bleiben und ist leider nicht für jeden erreichbar. Der Aufwand ist immens und die Kosten hoch. Bei diesem Marathon kommen Läufer und Partymacher zusammen. Es ist der Marathon mit der geringsten Abbrecherquote. Gerade dort werden Läuferträume war, wird von vielen der erste Marathon gefinished, fließen Tränen der Freude, etwas Unglaubliches geschafft zu haben. Wer allerdings hier Bestzeiten laufen will, wird enttäuscht sein. Die Voraussetzungen sind wenig ideal dafür und ich persönlich finde, es gibt andere Marathonstrecken, welche besser für schnelles Laufen geeignet sind.
Die Pastaparty am Vorabend kann ich nicht empfehlen, weil einfach sehr teuer. Pro Person muss man mit 50 Dollar rechnen. Wir waren Pizza essen direkt um die Ecke und haben uns für frühes Schlafen gehen entschieden.
im ziel des new york city marathon
Eine Buchung über Ali Schneider kann ich empfehlen, was wir gebucht haben und was organsiert wurde, hatte alles sehr gut geklappt. Es gab einen Ansprechpartner im Hotel, den man jederzeit ansprechen konnte und auch hilfsbereit war.
Nächstes Jahr wird es wieder spannend, einige meiner Freunde aus der Runfurther Laufgruppe haben sich bereits angemeldet und wir werden natürlich aus München heraus mitfiebern. Es wird die 50. Ausgabe des TCS New York City Marathon ausgetragen. Was 1970 mit weniger als 200 Teilnehmern startete ist heute das größte Laufsportereignis der Welt und das zurecht. Die Stimmung ist besonders und wer hat nicht den Traum hier zu finishen? Es ist die schönste, lauteste und beeindruckendste Sightseeing Tour, die man in New York machen kann. Bitte bei diesem Lauf empfehle ich auf Kopfhörer gänzlich zu verzichten, es entgeht einem sonst wirklich eine grandiose Stimmung.

Sightseeing Tipp – Brooklyn Bridge bei Sonnenaufgang

Wer früh aufsteht (ist wegen dem Jetlag eigentlich auch kein Problem) sollte unbedingt an einem der Tage zum Sonnenaufgang auf die Brooklyn Bridge. Ein toller Spot mit Blick auf die Skyline von Manhattan.
sightseeing tipp sonnenaufgang new york
Vom Skyline Hotel sind wir mit einem Uber Taxi zur Brücke gefahren, wenn man eine größere Gruppe ist, ist das der schnellste und günstigste Weg. Das U-Bahn Netz habe ich auf Anhieb nicht verstanden und früh morgens braucht man einfach zu lange mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Einen leckeren Kaffee haben wir danach im Think Coffee Tribeca (Broadway) getrunken. Ein schönes Café in relaxter Atmosphäre und sehr guter Qualität.
 brooklyn bridge bei sonnenaufgang
Hast du auch den Traum in New York zu laufen? Ich bin gespannt und freu mich auf Kommentare und Anregungen dazu. Vielleicht hast du auch Tipps, was man unbedingt am Marathon-Wochenende noch erleben sollte, dann her damit.
Fotocredit: Pawel Richter (teilweise)