Willkommen beim Krakau Marathon. Es ist passiert, endlich habe ich die magische 4 Stunden Grenze beim 5. Versuch über die Marathondistanz geknackt. Wer in Polen Marathon laufen will, dem empfehle ich Krakau. Warum fährt eigentlich gefühlt niemand nach Polen in den Urlaub? Diese Laufreise vermittelte mir eine wunderbare Perspektive und schöne Laufimpressionen auf Krakau und Polen insgesamt. Eigentlich stand das Land bisher nie auf meiner Reisewunschliste, bietet aber eine lohnende Alternative zu den überlaufenden europäischen Hotspot-Metropolen. Beim Krakau Marathon selbst sind nur sehr wenig deutsche Läufer/-innen gestartet, eigentlich schade. Wie meine Vorbereitung für Krakau war, kannst du hier nachlesen.
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Krakau

Wir reisen Samstag Mittag mit der Lufthansa von München nach Krakau an. Alles easy. Die Taxifahrt vom Flughafen ins Stadtzentrum von Krakau ist übrigens nicht sehr teuer, wir haben ca. 12,- EUR (Währung Zloty) für die halbstündige Fahrt bezahlt. Aber Achtung es gibt auch Schlawiner unter den Taxifahrern, am besten den Fahrpreis vorab vereinbaren. Der Bustransfer ist nochmals um einiges günstiger. Das Wetter ist regnerisch und kalt und für Ende April eindeutig anders erwartet. Wir beziehen ein Appartement (Calliope Appartements) mitten in der Altstadt. Es ist für drei Personen günstig und gut. Die Kommunikation mit den Vermietern sehr nett.
In Krakau herrscht ein wildes Treiben. Die historische Altstadt ist wunderschön zum Erkunden. Überraschend urban und schick ist es auch in den Seitenstraßen rund um das Zentrum. Überall kann man polnische Spezialitäten (z. B. Piroggi) essen. Die zweitgrößte Stadt Polens hat mich verzaubert. Ich verweile gern im Stadtkern, welches durch die Epochen Gotik und Barock geprägt ist. Jede Stunde spielt ein Wachmann von der Marienkirche ein Trompetenspiel (Turmblasen), das ich morgens schon von unserem zentralen Appartement aus höre und das eine alte Tradition ist.
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Abholung der Startunterlagen für den Krakau Marathon

Die Startunterlagen erhalten wir im Henryk-Reyman-Stadion, für uns ein Spaziergang von ca. 2 km von unserer Unterkunft aus. Im Stadion befindet sich eine kleine Marathonmesse und dahinter ist ein Zelt aufgebaut, in dem die Pasta-Party stattfindet. Allzu interessant ist die Messe allerdings nicht und wir verbringen nicht viel Zeit vor Ort. Wir erkunden viel lieber noch ein wenig die Stadt und gehen früh schlafen.
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Es ist Sonntag – Marathontag

Der Start- und auch Zielbereich des Marathons befindet sich auf dem Hauptmarkt (Rynek Glowny). Hierbei handelt es sich um einen sehr schönen und weitläufigen mittelalterlichen Marktplatz mit Charme. Nur 5 Min von unserer Unterkunft entfernt, befindet sich die Startlinie. Ein wirkliches Glück, wie sich später noch herausstellen wird. Wir gehen sehr spät zum Start. Es regnet und es ist furchtbar kalt. Ich habe mich für ein langes Outfit mit Windjacke entschieden.
Das Wetter ist für meinen fünften Marathon allerdings perfekt, regnerisch und kühl, bedeutet ich kann rennen. Die Angst, dass ich wegen der Wärme einbrechen könnte, besteht an diesem Tag nicht. Am Start des Krakau Marathons stehe ich mit einem sehr guten Gefühl und komischerweise null Druckempfinden. Ohne überheblich klingen zu wollen, aber ich spüre gerade in den Minuten vorm Loslaufen, das ist mein Tag, mein Wetter und mein schnellster Marathon. Ich fühle mich locker, leicht und schnell.
Rynek Glowny hauptmarkt

Mein schnellster Marathon

Die Bedingungen sind also super. Mehr als 6000 Teilnehmer sind gemeldet und ich mittendrin. Wie breits erwähnt, sind nur wenige deutsche Teilnehmer gemeldet, gerade mal um die 100. Ich reihe mich übrigens beim 3:45 Stunden Pacemaker ein und um Punkt 9 Uhr laufen wir los.
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Meine Strategie hatte ich mir zurecht gelegt, nicht zu schnell starten und auf den letzten Kilometern einfach nicht einbrechen. Eigentlich einfach oder? Die ersten zwei Kilometer laufe ich mal wieder viel zu schnell mit dem Läuferstrom mit. Knapp um die 5 Min / km und es fühlt sich nicht mal schnell an. Ab Kilometer 3 schaffe ich es, mich zwischen 5:23 und 5:32 Min / km einzupendeln. Ich laufe stetig dahin. Da das Wetter grau in grau ist, sieht vieles uninteressant aus, auch die Krakauer Sehenswürdigkeiten. Die Strecke ist flach und schnell. Der Marathon verläuft unter anderem einige Kilometer parallel an der Weichsel vorbei. Immer wieder gibt es Wendepunkte und wir laufen zurück, sodass man den Läufern dahinter wieder begegnet. Das finde ich aber gut, bringt Abwechslung in den Lauf und Bewegung.
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Die Verpflegung beim Krakau Marathon

Verpflegungspunkte gibt es mehr als ausreichend. Der Veranstalter hat dafür gesorgt, dass viele Tische aneinandergereiht werden und somit kaum Stau entsteht. Es gibt Obst, Wasser, Iso und bei manchen Stellen sogar Schokolade und Zucker. Die Helfer und Helferinnen sind allesamt recht jung und sehr nett, sogar mit motivierenden Worten wird nicht gegeizt. Ich nehme nur Wasser und lasse immer wieder Verpflegungstellen aus. Ich versuche mein gleichmäßiges Tempo zu halten und trinke hauptsächlich aus meinem Trinkrucksack. Unterwegs gibt es zwei Gels, bei km 20 und etwa km 30.

Die Stimmung

Die Stimmung während des Marathons an der Strecke ist super. Die lustigste Begegnung hatte ich mit einem Pole, der mich anschaut und mir während des Laufes die Hand reicht und mir ein Lächeln schenkt. Recht spät während des Wettkampfes überholt mich der 3:45 Std Pacemaker, das motiviert mich zusätzlich. Dennoch halte ich mein Tempo und lasse mich nicht unnötig ziehen, was ja meistens passiert. Ich laufe diesen Marathon einige Kilometer mit Musik, auch schön. Der vermutete Einbruch kommt nicht. Erst bei km 40 wird es zäh, meine Beine fangen an zu schmerzen und das Laufen wird unrunder. Aber das ist schon egal. Zu diesem Zeitpunkt kann mir keiner mehr die Bestzeit nehmen. Knappe 20 Min Zeit bleiben mir für die letzten zwei Kilometer.
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Mit Bestzeit ins Ziel

Kurz vor dem Ziel überlege ich noch, ob ich knapp unter 4 Std. finishen oder besser alles geben sollte? Ich entscheide mich für alles geben und laufe mit 3:53:22 Std. weit unter sub 4 und damit meinen bisher schnellsten Marathon. Der nächste Schnellste wird wohl jetzt wieder Jahre dauern, aber egal, das Ziel ist nach vier Jahren endlich abgehakt. Und das einfach so, ohne wirklichen Trainingsplan, aber dem Willen es das eine Mal zu schaffen. Den Zieleinlauf erlebe ich allein, habe Tränen in den Augen, fühle mich gleichzeitig unendlich erleichtert und glücklich.
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Für mich hat beim Krakau Marathon vieles gepasst:

– Das Wetter war perfekt, kalt und regnerisch
– Flache schnelle Strecke
– Beim Start keinen Druck empfunden
– Unterkunft ganz in der Nähe zum Start-/Zielbereich
– Meine Tagesform und mein Kopf waren auf Bestzeit eingestellt
Ich erinnere mich gern an die lockere, leicht frierende Cindy am Start. Bei keinem anderen Marathon war ich so sicher, dass ich mein Ziel realisieren könnte. Mein Gemütszustand an der Startlinie war super ruhig und gelassen und ich freute mich auf die bevorstehenden 42,195 km. Es war ein richtig schöner Wettkampf, locker, dynamisch und bei einer gleichmäßigen Pace.
Beim Krakau Marathon haben 888 Frauen gefinished, in meiner Alterklasse wurde ich 57. und insgesamt 158. Frau.
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Fazit zum Krakau Marathon

Das Paris an der Weichsel, mir wurde nicht zuviel versprochen. Du wirst nicht enttäuscht sein, wenn du diesen Marathon auf deine Wunschliste setzt. Ein sehr günstiges Laufwochenende mit Kultur, laufen und sehr gutem Essen ist dir gewiss.
Das Land Polen taucht bei Erzählungen über Urlaubsziele und Wochenendtrips mit Freunden selten auf. Vielmehr fallen da Städte wie Paris, Barcelona, Stockholm oder Wien. Wer ist eigentlich schon mal nach Krakau gereist?

Wer mehr Zeit hat sollte unbedingt auch einen Ausflug zur Gedenkstätte Auschwitz einplanen. Krakau ist eine Topadresse für kulturelle Reisen und für junge Leute die Party machen wollen.

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Und was kommt nun ?

Jetzt habe ich die langersehnte Bestzeit. Was hat sich geändert ? Eigentlich nichts, nur habe ich nicht den Wunsch noch schneller laufen zu wollen. Warum auch ? Das würde bedeuten, dass so manche Trainingseinheit zur Qual wird und der Wettkampf sowieso. Ich möchte laufen und die Distanzen für mich finishen können. Eigentlich will ich noch ganz viele Marathons laufen, es gibt so viele Highlights. Aber eines werde ich nicht, auf ach und Krach immer schneller laufen zu wollen. Für die Sub 4 habe ich 4 Jahre und 5 Marathons gebraucht. Rechne mir lieber nicht aus, was mich das nächste vielleicht auch noch realistische Ziel von 3:45 Stunden kosten würde. Eines auf jeden Fall, der Spaß am Laufen würde mir verloren gehen. Daher laufe ich einfach weiter nach Lust und Laune. Bestzeiten kommen oder kommen nicht. Es ist ein Gewinn das Laufen ausüben zu können und somit die Welt auch laufend kennen zu lernen.

„Der Moment oder die Story, die uns ewig in Erinnerung bleiben, das ist Marathon. Ich laufe, weil es mir Erlebnisse beschafft und weil ich in Bewegung komme und weil ich dadurch einfach glücklicher bin.“ Zitat: Cindy
laufen schafft erlebnisse