Gaustatoppen Trailrun: Meine Viking Challenge in Norwegen

Aktualisiert: vor 6 Tagen
Pressereise
11 Kilometer, rund 1.500 Höhenmeter und ein Ziel auf 1.883 Metern: Die Viking Challenge von Rjukan auf den Gaustatoppen gehört für mich bis heute zu den schönsten Trailruns, die ich gelaufen bin.
Es war meine erste Reise nach Norwegen und ziemlich schnell war klar, dass es nicht die letzte bleiben sollte. Berge, Fjorde, kleine Orte und diese unglaubliche Weite: Norwegen stand schon lange weit oben auf meiner Reise-Wunschliste. Am liebsten würde ich das Land irgendwann bei einem längeren Roadtrip erkunden und dabei natürlich auch die Laufschuhe einpacken.
Mich erinnert Norwegen ein wenig an Neuseeland. Nicht, weil sich die beiden Länder besonders ähnlich wären, sondern weil hinter der nächsten Kurve gefühlt schon wieder eine Landschaft wartet, für die man eigentlich anhalten müsste. Meine Highlights aus Neuseeland kannst du übrigens hier nachlesen.
Von Oslo nach Rjukan: Anreise zum Gaustatoppen
Aber zurück nach Norwegen. Für einen langen Urlaub blieb damals keine Zeit, dafür wartete im Juni ein ziemlich intensiver Kurztrip auf mich. Über meinen langjährigen Kooperationspartner Viking Footwear bekam ich die Möglichkeit, bei der Viking Challenge in Rjukan zu starten.
Unser Ziel: von Rjukan bis hinauf auf den Gaustatoppen. Für Anreise, Lauf und Rückreise blieb uns nicht viel Zeit. Entspanntes Norwegen-Wochenende sieht anders aus. Trotzdem kann ich schon vorwegnehmen: Für diesen Trailrun hat sich die Reise mehr als gelohnt.
Von München fliegen wir nach Oslo, von dort geht es mit dem Auto weiter nach Rjukan. Für die rund 180 Kilometer brauchen wir etwa zweieinhalb Stunden.
Rjukan liegt in der norwegischen Provinz Telemark in einem schmalen Tal direkt unterhalb des Gaustatoppen. Als wir nachts an unserer Unterkunft ankommen, fühlt es sich allerdings überhaupt nicht nach Nacht an. Kurz vor Mitternacht erleben wir noch den Sonnenuntergang und richtig dunkel wird es anschließend nicht mehr.
Allein dafür hat sich die Anreise fast schon gelohnt.

Übernachten am Gaustatoppen: Unsere Hütte in Rjukan
Wir übernachten in einer der Hovdetunet Hütten etwas außerhalb von Rjukan. Mehrere Schlafzimmer, große Fenster, ein gemütlicher Essbereich, Kamin und teilweise sogar eine eigene Sauna. Nach einem langen Tag draußen kann man es definitiv schlechter treffen.
Von unserer Unterkunft sind wir außerdem schnell in den Bergen. Das Gebiet rund um den Gaustatoppen ist im Winter Skigebiet und bietet im Sommer zahlreiche Möglichkeiten zum Wandern und Trailrunning.
Viel Zeit zum Erkunden haben wir allerdings nicht. Am nächsten Morgen wartet die Viking Challenge.
Viking Challenge: 11 Kilometer und 1.500 Höhenmeter zum Gaustatoppen
Die Viking Challenge führte von Rjukan hinauf auf den Gaustatoppen. Für die lange Strecke bedeutete das ungefähr 11 Kilometer und 1.500 Höhenmeter.
Zusätzlich gab es eine kürzere Variante mit vier Kilometern und rund 800 Höhenmetern sowie die Möglichkeit, die Strecke zu wandern.
Ich starte natürlich über die lange Distanz. Zusammen mit Ina Forchthammer und Valerie Rupitsch treten wir als deutsch-österreichisches Team der „Viking Powergirls“ an.
11 Kilometer klingen erst einmal nicht besonders dramatisch.
1.500 Höhenmeter schon eher.

Start der Viking Challenge in Rjukan
Gestartet wird im Stadion von Rjukan in kleinen Wellen. Bevor es auf die eigentliche Strecke geht, dreht jede Gruppe noch eine Runde im Stadion.
Wir starten ausgerechnet mit der schnellsten Welle.
Was soll schon schiefgehen?

Eine ganze Menge, wenn man versucht, bei einem Berglauf mit den Schnellsten mitzuhalten. Mein Puls ist praktisch sofort auf Anschlag. Dazu kommt, dass ich versehentlich nicht in der Hobbykategorie gemeldet bin.
Immerhin hat das einen Vorteil: Vor mir ist die Strecke noch ziemlich leer.
Nach ungefähr einem Kilometer Asphalt verlassen wir Rjukan und verschwinden im Wald. Ich nehme das Tempo schnell wieder raus. Mir ist etwas übel, der Schweiß läuft und ich weiß ziemlich genau, dass noch ein paar Höhenmeter auf mich warten.
Die nächsten Kilometer führen über Schotter und Waldwege kontinuierlich bergauf. Noch lässt sich vieles davon gut laufen.
Noch.
Der Aufstieg zum Gaustatoppen wird zum echten Trailrun
Nach ungefähr fünf Kilometern erreichen wir in Selstali die einzige Getränkestation der Strecke. Klein, unkompliziert und mit unglaublich netten Helfern.
Danach verändert sich der Charakter des Laufs deutlich.
Zunächst geht es noch durch schattige Waldpassagen. Die Trails sind hier größtenteils laufbar, werden aber zunehmend technischer. Die Steine werden größer und ich muss immer genauer darauf achten, wo ich meine Füße hinsetze. Irgendwann verschwindet der Wald und vor mir liegt der eigentliche Aufstieg zum Gaustatoppen.
Der Weg wird gerölliger, steiniger und vor allem steiler. An Laufen ist auf den letzten Kilometern für mich nicht mehr zu denken. Also gehe ich.
Und ehrlich gesagt ist mir das ziemlich egal.

Denn mit jedem Höhenmeter wird die Aussicht spektakulärer. Berge, Seen und eine Weite, bei der ich ständig stehen bleiben und schauen möchte. Genau so hatte ich mir Norwegen vorgestellt.

Die Strecke fordert Kondition und Trittsicherheit. Gerade im oberen Bereich muss ich mich konzentrieren, gleichzeitig will ich permanent die Landschaft anschauen. Keine besonders praktische Kombination.
Aber irgendwann sehe ich das Ziel.


Auf 1.883 Metern: Das Ziel auf dem Gaustatoppen
Die letzten Meter zum Gipfel haben es noch einmal in sich. Hohe, unregelmäßige Stufen, müde Beine und oben deutlich kühlere Temperaturen.
Dann stehe ich tatsächlich auf dem Gaustatoppen. 1.883 Meter über dem Meer und rund 1.500 Höhenmeter über unserem Start in Rjukan.

Es zieht ordentlich und mein erster Weg führt deshalb mit meiner Medaille direkt in die Gaustatoppen Turisthytte. Ina und Valerie warten dort bereits auf mich und noch wichtiger: Es gibt warme Suppe.
Die Hütte ist voll und gemütlich und draußen wirkt die Landschaft fast schon ein bisschen winterlich. Vor allem aber ist da dieser Ausblick. Ich könnte jetzt wieder schreiben, dass er wunderschön, phänomenal oder atemberaubend ist. Eigentlich reicht aber: Genau wegen solcher Momente laufe ich auf Berge.

Vom Gaustatoppen zurück nach Rjukan
Im Startgeld waren unter anderem Medaille, Funktionsshirt, Verpflegung, Shuttle und die Rückfahrt mit der Gaustabanen enthalten. Wir entscheiden uns gegen die bequeme Variante.
Wenn man schon auf dem Gaustatoppen steht und das Wetter mitspielt, möchte man schließlich nicht sofort im Berg verschwinden. Also laufen wir wieder hinunter.
Unten angekommen nehmen wir den Shuttle zurück nach Rjukan. Als wir endlich wieder an unserer Unterkunft sind, ist es spät. Wir kochen gemeinsam und verbringen den restlichen Abend in unserer Hütte. Nach diesem Tag braucht es ehrlich gesagt auch nicht mehr viel Programm.
Ein viel zu kurzer Norwegen-Trip
Schon am nächsten Morgen müssen wir zurück nach Oslo. Der Abschied von unserer Hütte fällt mir schwer. Draußen ist es grau und regnerisch und ich würde den Tag wesentlich lieber in der Sauna verbringen. Wir hoffen noch darauf, dass das Wetter Richtung Oslo besser wird.
Wird es nicht.
Also landen wir viel zu früh am Flughafen und verbringen die restliche Zeit mit Kaffee und ziemlich guten Zimtschnecken. Norwegen hatte damit allerdings genau das erreicht, was ein viel zu kurzer Trip meistens anrichtet: Ich wollte wiederkommen.

Mein Fazit zur Viking Challenge am Gaustatoppen
Die Viking Challenge war für mich einer der schönsten Trailruns, die ich bis dahin gelaufen war. Einfach weil auf diesen 11 Kilometern erstaunlich viel passiert.
Erst Asphalt, dann Wald und Schotter, später technische Trails, Geröll und schließlich ein steiler Aufstieg bis auf 1.883 Meter. Dazu diese Landschaft, die mit jedem Höhenmeter beeindruckender wird.
Ein einfacher Trailrun ist die Strecke nicht. Rund 1.500 Höhenmeter auf 11 Kilometern, technische Passagen und der steile Schlussanstieg verlangen Kondition und Trittsicherheit.
Aber diese Mischung ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben.
Die Viking Challenge selbst liegt inzwischen einige Jahre zurück. Der Laufbericht beschreibt deshalb meine persönlichen Erfahrungen und die Bedingungen zum damaligen Zeitpunkt. Wer heute eine Tour oder einen Trailrun auf den Gaustatoppen plant, sollte sich vorab über die aktuellen Wege, Bedingungen und Möglichkeiten für Aufstieg und Rückweg informieren.

Hinweis zur Aktualität: Meine Teilnahme an der Viking Challenge liegt inzwischen einige Jahre zurück. Dieser Laufbericht beschreibt meine persönlichen Erfahrungen und die Bedingungen zum damaligen Zeitpunkt. Wenn du heute eine Wanderung oder einen Trailrun auf den Gaustatoppen planst, informiere dich bitte vorab über die aktuellen Wege, Wetterbedingungen sowie die Möglichkeiten für Aufstieg und Rückweg.






Originalkommentar: 12. April 2019 um 11:48 Uhr
Ein wirklich toller Beitrag
Originalkommentar: 19. März 2019 um 21:59 Uhr
Sosososososo cool!!! Cindy nimm mich miiiiiiiit 😍
Originalkommentar: 19. März 2019 um 7:33 Uhr
Sehr schön geschrieben Cindy,
Wie immer schaffst du es Deine Leidenschaft und Freude zu transportieren.Gerne würde ich Dich dieses Jahr auf der Strecke begleiten.
Mein schönster Traillauf war mein erster spontaner Halbmarathon auf den Isartrails. An einem regnerischen Tag sind wir in einer kleinen Gruppe gestartet mit dem Ziel 10k zu laufen. Nach 7,5 ist die Gruppe umgedreht, meine Seele hat jedoch mehr verlangt und die Einsamkeit an einem Sonntagmorgen auf den Trails hat mir trotz Regenwetter mein erstes Runners High beschert.
Originalkommentar: 18. März 2019 um 21:06 Uhr
Mega interessanter Bericht den du geschrieben hast. Norwegen muss wirklich Atemberaubend sein …
Originalkommentar: 18. März 2019 um 19:07 Uhr
WOW, was für ein geniales Gewinnspiel! Ich liebe es an neuen Orten zu laufen, war noch nie in Norwegen und dich, liebe Cindy, möchte ich unbedingt endlich kennenlernen. Warum nicht an einem Wochenende in Norwegen 😉Puh, garnicht so einfach aus all den schönen und unvergesslichen Trailruns DEN schönsten rauszufiltern…
Doch ich denke es war der 3. Tag bei meiner Laufreise auf Mallorca.
Der Wecker klingelte an diesem Tag gefühlt viel zu früh, mein Körper schmerzte von den vielen Kilometern und Höhenmetern an den beiden vorherigen Tagen und heute stand die längste und härteste Etappe mit 2 Anstiegen von jeweils fast 1000 HM an. Die Sonne brannte schon am Morgen auf uns herunter, als wir…