Luxembourg für ein Marathon-Wochenende

Verrückt nach nur vier Wochen nach dem ersten Ultra laufe ich meinen zweiten Marathon. Geplant war es ganz und gar nicht, zwei lange Wettkämpfe so nah aufeinander, aber manchmal kommt es anders als man denkt. Der Luxembourg Marathon war das erste Laufevent, für welches ich mich bereits 2015 entschied und anmeldete. Nun war es so und im Endeffekt wollte ich keine Bestzeit laufen, sondern lediglich genußlaufen durch das schöne Luxembourg.

Dieses Mal in Begleitung meines Freundes reisten wir bereits Freitag an und schlenderten durch die histrorische Altstadt, dessen Flair mir Lust machte, diese Stadt zu erlaufen. Mir fiel sofort auf wie Luxembourg auf unterschiedlichen Höhen erbaut wurde. Das erklärte warum man bei diesem Stadtmarathon ungewöhnlicherweise ca 500 HM zu überwinden hatte. Durch Sambaklänge und tanzende Gruppen wurden wir bereits am Vorabend auf das bevorstehende Laufereignis Marathon eingestimmt.

Luxembourg Sightseeing Tour

Stadtmarathon mit Höhenmetern

Mir war vorab schon bekannt, dass dieser Stadtmarathon anspruchsvoll sein würde und nicht für Bestzeiten geeignet war. Anders als bei anderen Veranstaltungen startet man beim Luxembourg Marathon erst abends, der Startschuss sollte um 19 Uhr ertönen.

Insgesamt waren ca 14.000 Läufer und Läuferinnen zum 11. Marathon in Luxembourg angemeldet, davon ca 1.800, welche mit mir die Marathondistanz liefen. Der Rest teilte sich auf Halbmarathon und Team Run (Staffel) auf. Die Abholung der Startunterlagen ging entgegen der zu erwartenden Läuferanzahl am Samstag Mittag ohne Wartezeit von Statten. Es waren auch kaum andere Läufer vor Ort. Den Nachmittag nutzte ich zur Essensaufnahme und Besorgung letzter Souvenirs sowie der Entscheidung, was ich wohl anziehen würde. Gegen 18 Uhr war ich dann zurück auf dem Messegelände. Eine Stunde später ging es schon los.

Luxembourg Marathon Startlinie

Der Start

Wir starteten alle ziemlich langsam, im Trippelschritt sozusagen kamen wir nur voran (die hinteren Startblöcke wohlgemerkt). Die Einteilung in Startblöcke reichte von A (schnell) bis G (langsam). An den Zugängen wurde genauestens geprüft, ob man sich in den richtigen Startblock einreihte. Nach geschlagenen 11 Minuten erreichte ich von Block E die Startlinie und durfte endlich durchstarten.

Luxembourg Marathon Start

Die Laufstrecke führte uns von der Luxexpo (Messeglände) zuerst durch das modernkühle Bankenviertel am Kirchberg, bevor es über die Großherzogin-Charlotte-Brücke Richtung Stadtkern und prächtigen Wohngebieten ging. Und hier ging die Party ab. Die ersten 14 Kilometer der Strecke liefen alle Läufer gemeinsam, bevor es zur Trennung von Halbmarathon und Marathon kam. Die Stimmung war richtig cool, mehrere Samba- und Tanzgruppen heizten zusätzlich ein und man lief, getragen von der Partystimmung flott Kilometer um Kilometer.

Luxembourg Marathon Strecke

Nachdem die Halbmarathonläufer Richtung Ziel zurück unterwegs waren, wurde es auf der Marathonstrecke ruhiger, was ich persönlich begrüßte. An einigen Stellen war es auf dem ersten Teil der Strecke für die Menge doch ziemlich eng. Vor allem an den Verpflegungsstellen, sodass ich teilweise nicht frei laufen konnte. Schnell passierte ich die Halbmarathonmarke knapp unter zwei Stunden. Es lief gut, so richtig gut, aber ich wollte ja keine Bestzeit laufen.

Halbmarathondistanz war schnell geschafft

Angespornt von der Zwischenzeit und weil ich richtig gut Puste hatte, lief ich weiterhin flott. Die Passagen waren anspruchsvoll, kreuz und quer durch die Stadt. Belastend bzw. erschwerend empfand ich die häufigen Abbiegungen und immer wieder leichten Anhöhen. Ich schnurrte dahin, immer im Blick einen Läufer mit einem Zermatt Marathon Shirt, mein heimlicher Pacemaker.

Mittlerweile befanden wir uns bei ca km 28, meine Beine waren allerdings schwerer geworden und fingen an zu schmerzen. Kurz vor km 30 ging es ziemlich steil abwärts zum Péitruss-Tal. Im LEO Light Village sorgten Hunderte von Fackeln und Lampions für eine sagenhafte Atmosphäre in einem Lichtermeer und feiernde Zuschauer mittendrin. Das war übrigens der schönste Teil des Luxemburg Marathon, da man viel zu bestaunen hatte und man dadurch die schmerzlichen Einflüße vergaß.

Luxembourg Marathon Péitruss-Tal

Weiter ging es mit den Allez Allez Rufen und ganz viele Kinder an der Straßenseite, welche abklatschten. Die Unterstützung war überragend. Doch dann kam mein knallharter Einbruch, bei km 37. Ich war zu dem Moment auf sub 4 Kurs und somit persönlicher Bestzeit unterwegs. Die Strecke führte bereits zurück Richtung Kirchberg-Plateau und fast Zielgerade. Ich musste mein Tempo rapide drosseln, aufgrund der Schmerzen in den Beinen und unterem Rückenbereich. Meine Haltung und der Bewegungsablauf wurden unrunder. Die letzten Trinkstationen ließ ich gänzlich aus, da das Anlaufen mittlerweile höllisch weh tat.

Kilometer 40

Kurz vor km 40, oh mein Gott, ich verfiel teilweise dem Gehmodus, versuchte immer wieder anzulaufen, zwischendrin war nur gehen möglich. Mittlerweile war es dunkel und die fehlende Menschenmenge auf den letzten Kilometern drückte zusätzlich auf das Gemüt. Gefühlt kroch ich nur noch Richtung Luxexpo, wo mich dann ein besonderer, lichtintensiver und lauter Zieleinlauf in der Messehalle erwartete. Das war definitiv die Reise von 42,195 km wert. Erleichtert torkelte ich zu der Medaillenvergabe. Herr Marathon Zermatt überquerte die Ziellinie kurz nach mir und gratulierte mir unbekannterweise. Mein heimliches Zugpferd, dankeschön.

Luxembourg Marathon Ziel

Schlussendlich hatte ich auf den letzten 5 km knapp 9 Minuten verloren, was mich richtig enttäuschte. Marathon laufen tut weh und dieser hatte mir besonders weh getan. Mit dem Gedanken ohne Zielvorgabe den zweiten Marathon zu finishen, dem Gefühl eines Runners High, da könnte ich doch Bestzeit rauskitzeln und dem anschließenden Zusammenfall, sodass einfach nichts mehr ging, konnte ich dennoch im Ziel wieder lächeln und freudig meine Medaille in Empfang nehmen. Der Marathon und seine Gesetze. Letztendlich erging es anscheinend nicht nur mir so, denn nach Ergebnisliste wurde ich 6. von 23 in meiner Altersklasse. Da hatte ich mir ein paar lokale Macarons redlich verdient.

Luxembourg Marathon Belohnung

Fazit zum Luxemburg Marathon

Der Ing Night Marathon Luxembourg ist ein toller und abwechslungsreicher Abendlauf mit einigen Höhenmetern. Der Lauf bei Tageslicht über Dämmerung bis hinein in die Dunkelheit hat seine eigene besondere Note und man muss es mal erlebt haben. Die Stimmung und Unterstützung der Zuschauer ist einzigartig und die Organisation hervorragend. Allerdings verlieren Läufer/-innen aus den hinteren Startbereichen auf dem ersten Teil der Marathonstrecke enorm Zeit, aufgrund der Enge und Schwierigkeit zu überholen. Verpflegungsstellen gab es mehr als genug. Etwa alle 2,5-3 km konnte man sich mit Wasser, Isogetränken, Cola, Banane, Orange und Riegel stärken. Die Liebe zum Detail bei Kilometer 30 Péitruss-Tal empfand ich spektakulär. Der Zieleinlauf im Messegelände ist super. Einzig die Shuttleverbindung zu später Stunde von der Messe zu meinem Hotel, was außerhalb von Zentrum lag, war schlecht bis gar nicht gegeben. Ich ließ mich abholen lassen oder alternativ müsste man ein Taxi nehmen. Hier würde ich eine Unterkunft in der Innenstadt empfehlen.

Die Reise von München nach Luxembourg hat sich gelohnt und ich kann diesen Marathon jedem empfehlen.

Luxembourg Medaille im Ziel

Und das sagen andere Starter/-innen zum Luxembourg Marathon

„Allez,Allez!“ – „Courage!“ – „Tip Top!“…Orga und Volksfeststimmung vom ersten bis zum letzten Laufmeter vom Allerfeinsten! Vielen Dank an die Luxemburger für diese tolle Lauferfahrung! Nächstes Jahr definitiv wieder!

Laufend on Tour / Kossmann Laufbotschafter

Wer sich für den ING Night Marathon Luxembourg anmeldet, muss sich über eines im Klaren sein: Bergtraining sollte zur Vorbereitung dazu gehören! Die Strecke ist sehr verwinkelt, es geht fast immer leicht auf und ab, aber trotzdem ist die Stimmung hervorragend an und auf der Strecke, die Stadt bietet ein herrliches Umfeld und die Organisation ist ein Traum. Kurz gesagt: ein Muss für jeden Läufer, der einen besonderen Stadtmarathon laufen möchte.

Markus Dawo / Personal Trainer

Der ING Night Luxembourg begeistert durch viele anfeuernde Zuschauer an der Laufstrecke. Ganz viel Gänsehaut erlebt man auf der 2. Marathonhälfte, wenn man im Dunkeln durch die engen Gassen der Altstadt angefeuert wird. Luxembourg ist ein anspruchsvoller Marathon, da man durch das wellige Profil selten flache Laufpasssagen vorfindet. ING Night Luxembourg zählt für mich zu den schönsten Marathons, die ich bisher gelaufen bin

Armin Siebert / Mehrfacher Marathon- und Ultraläufer

 

Übrigens gab es an diesem Tag mehrere Streckenrekorde, für einen davon sorgte Lisa Hahner, welche in 77:04 Minuten als Erste den Halbmarathon der Frauen gewann.

Und wer ist nächstes Jahr am Start?

Fotocredit: Norbert Wilhelmy (teilweise)

Cindy