Mein erster Ultra – Innsbruck Alpine Trailrun Festival

30. April 2016 ich stand an der Startlinie meines ersten Ultra-Marathons, dem Innsbruck Alpine Trailrun Festival auf der 65 km Distanz. Ich hatte schon vor meinem ersten Marathon im Oktober 2015 mit dem Gedanken gespielt Ultra laufen zu wollen, aber viel zu schnell stand ich nun tatsächlich am Start, als ob 42,195 km nicht reichen würden. Aber ihr wisst ja, die liebe Lena war an allem schuld.

Viele fragen sich sicherlich, wieso macht man das? Ehrlich gesagt kann ich es nicht wirklich in Worte fassen, aber laufen ist ein wichtiger Inhalt meines Lebens geworden. Die Herausforderung neue Distanzen zu meistern, den inneren Schweinehund zu besiegen, mich aufzuraffen und zeigen, was in mir steckt, das ist irgendwie mein Antrieb. Gerade die langen Läufe haben es in sich und es braucht eine große Portion Energie und Willenskraft. Eines ist klar, irgendwann ist dem ein Ende gesetzt, aber es gibt noch einiges, was ich mir als Ziel gesetzt habe und ich versuche die Herausforderungen zu nehmen, wie sie kommen. Auch normale Hobbyläufer können es schaffen, vielleicht ein bisschen langsamer und wahrscheinlich mit viel mehr Schmerz, aber es geht.

Ultra-Marathon

Vor dem Start lag Aufregung, Angst und Vorfreude in der Luft. Angst warum? Es ist nicht zu schaffen, war meine größte Angst, jeder sagt, ach Cindy das schaffst du auf alle Fälle. Hmm der Meinung bin ich nicht, es gibt Tage, da läuft es einfach nicht und diese hatte ich genügend in den Vorbereitungswochen. Der letzte lange Lauf rund um den Ammersee zeigte mir, dass ich an diesem Tag nicht fähig gewesen wäre, nur einen Meter weiter als die 45 km zu laufen. Einen Ultra laufen kann man nicht jeden Tag. Eine weitere Sorge das Knie, eine falsche Bewegung, fehlende Konzentration könnten das Aus bedeuten. Und falsches Essen unter der extremen Belastung könnte sich auch negativ auswirken, sodass man mit Magenkrämpfen aussteigen muss.

Der Ultra-Marathon kann beginnen:

Kurz vor 8:00 Uhr, die offizielle Startzeit, wir standen in einer sehr kleinen und übersichtlichen Startwelle. Insgesamt waren nur 900 Starter gemeldet, die ersten ganz „verrückten“ mit der 85 km Distanz gingen schon um 4 Uhr morgens auf die Strecke, die 65 km und 25 km Läufer um 8 Uhr, die Marathondistanz um 12:30 Uhr und die Rookies mit 15 km durften noch bis zum Nachmittag warten.

Ich versuchte mich abzulenken, um meine Nervosität in den Griff zu bekommen. Der bevorstehende Lauf, der so anders sein würde.

Um 8 Uhr ging es los, ziemlich langsam und gemütlich, auch ganz anders, als man es sonst so kennt. Eine gemütliche Karawane zieht von Dannen.

Ultra-Marathon

Die ersten 7 Kilometer bis zur Verpflegungsstation 1 von insgesamt 9 flogen regelrecht dahin. Ruckizucki stand ich vor einer riesigen Auswahl an kleinen Köstlichkeiten. Iris und ich hatten uns die Strecke in Verpflegungsstellen eingeteilt, wir liefen keine 65 km, nein wir liefen von Brotzeitstandl zu Brotzeitstandl. Bis hier hin hatte das schon mal wunderbar geklappt.

Ultra-Marathon

Die Trails machten richtig Spass, ein auf und ab. Hier muss ich der Lena jetzt aber mal ein Lob aussprechen, das Innsbruck Alpine Trailrun Festival war gut gewählt und ist für Ultra-Anfänger genau das Richtige, um mal Langdistanzluft zu schnuppern.

Die nächsten zwei Abschnitte liefen auch gut. Wir lernten Sabrina kennen, durch das Geschnatter wurde ich prima abgelenkt. Beim Stopp vier am Natterer See stand dann schon die 25 km Marke und somit das Ziel des K25 Trailhalbmarathons. Meine Beine fühlten sich leider schwer an und die erste Blase hatte ich mir mittlerweile reingelaufen. Wir machten eine etwas längere Pause, sodass ich meine Füße mit Blasenpflaster bekleben konnte. Hier war im Gegensatz zu der Strecke richtig viel los, die Zieleinläufer wurden angefeuert und es fuhren die Shuttlebusse zurück in den Startbereich nach Innsbruck. Wir hatten mittlerweile 11 Uhr und 1,5 Stunden später sollte der 42 K Trailmarathon starten.

Auf dem nun folgenden etwas ebenen Abschnitt liefen wir wieder ein bisschen flotter, ging auch bergab. Bis Kilometer 50 und Verpflegungsstation 7 in Hall in Tirol zog sich die Strecke gemütlich hin, allerdings verlor ich immer öfter den Anschluss zu den anderen. Dies war nicht weiter schlimm, wir trafen uns beim Essen immer wieder und ich startete ein paar Minuten früher, sodass die Lücke nicht allzu groß wurde. Diese Maßnahme nahm mir ein wenig den Stress beim hinterherlaufen.

Zwischen Verpflegungsstelle 7 und 8 allerdings brach unser Verbund auf, ich ließ mein Team laufen und versuchte mich auf mein eigenes Tempo zu konzentrieren. Mittlerweile tat dieser Lauf auch schon in den Beinen richtig weh. Schöne Wiesen am Rand luden zum Verweilen ein und ehrlich, ich hätte mich gern hingelegt und die Sonne genossen. Zum Wetter habe ich ja noch kein Wort verloren, entgegen der Wochen vor dem Lauf, hatten wir an diesem Tag Sonne pur, was am nächsten Tag allerdings schon wieder vorbei sein sollte. Der Wettergott war auf unserer Seite. Aber keine einzige Sekunde wollte ich aufhören, egal wie weh mir jeder Schritt schon tat, der Laufstil wurde unrunder und es waren noch etwas zwischen 10-15 km bis ins Ziel

Ultra-Marathon

Es wurden die schwersten Kilometer, Mittlerweile lief ich allein, um mich herum kaum Läufer, also auch wenig Ablenkung. Nur ein Fotograf brachte mich kurz zum lächeln, Blitzlicht an, Mundwinkel hoch.

Ultra-Marathon Ultra-Marathon

Die letzten Anstiege lagen vor mir und es ging langsam weiter und weiter bis ich zur letzten Verpflegung kam. Dort traf ich wieder auf Lena, Iris und Caro. Iris und Caro hatten mittlerweile auch Schmerzen und mussten deshalb ihren Lauf verlangsamen. Wir entschieden uns gemeinsam bis zum Ziel zu laufen, es waren nun noch etwa 5 km.

Die Strecke kam mir wieder bekannt vor, der Inn wurde sichtbar und die Strecke ging vornehmlich abwärts. Komischerweise wurde mein Laufschritt wieder besser mit dem Wissen des nahenden Zieles. Ich lief mit Lena voraus. Unten angekommen waren wir auch schon in Innsbruck angelangt, noch 1 km. Der Weg war nun nur noch Teer, ziemlich hart für meine Beine, gefühlt war dieser Kilometer jedoch der Schnellste des gesamten Rennens. Kurz vor dem Ziel saßen viele Zuschauer und feuerten uns an. Diese Unterstützung lies mich wieder aufrecht gehen und stolz werden.

Die letzten Meter wurden dann noch ziemlich schnell, fast Sprint, sodass ich kaum hinterher kam und die anderen drei leicht bremsen musste. Im Ziel dann die Gefühle, die „geil“ schrien, die Anspannung die von mir weichte und die Freude die zurück kam. Ziele erreichen kann anstrengend sein, weh tun und dann doch so überragend sein.

Ultra-Marathon

Eine Aussage, die mir immer wieder in Bezug auf Ultra-Marathon begegnet ist, „Ultraläufer sind Genussläufer“. Ja es ist wahr, man hat Zeit während des Laufes Leute kennenzulernen, den Lauf zu geniessen, sich an der Landschaft zu erfreuen und zu essen. Nur lernen muss ich es noch.

Ultra-Marathon

Für alle die ein Ziel haben, beisst euch durch!

Bestzeiten haben wir keine erlaufen, wir waren 9 Stunden 42 Minuten unterwegs und landeten damit im Mittelfeld. Mit unserer Gesamtlaufleistung (4 x 65 km) konnten wir uns den 7. Platz in der Teamwertung sichern.

Ultra-Marathon

Kurzer Videoeindruck: