Innsbruck Alpine Trail Festival – mein erster Marathon 2018

Der Innsbruck Alpine Trail 2018 (IATF) ist Geschichte und ich um eine Erfahrung reicher. Laufen macht mir unheimlich Spaß, aber manchmal auch nicht und es ist auch immer so eine Sache mit der Tagesform am Wettkampftag.
Kurzum ich will euch über meinen ersten Trailwettkampf dieses Jahr, den Innsbruck Alpine Trail, auf der Marathondistanz (kurz: K42) berichten. Die Umstände waren etwas „heikel“ bzw bei Anmeldung so nicht ganz vorhersehbar.

Anmeldung zum Marathon

Angemeldet habe ich mich ca. sechs Wochen vorher mit ganz viel Motivation noch alles aus dem Training rauszuholen, um entsprechend vorbereitet am 28.04.2018 in Innsbruck an den Start zu gehen. Ich wollte in Innsbruck offiziell in die Trailsaison starten. Pläne sind soweit gut, wie man sie einhalten kann. Ich konnte es nicht und so lief ich weiter, wenn ich Zeit hatte und nie mehr als 12 Kilometer, außer einmal da waren es 24 Kilometer. Diese 24 Kilometer waren mir auch entsprechend schwer gefallen. Absichtlich war der Trainingsmangel nicht, in meinem Fall waren einfach die Umstände nicht optimal. Abenteuer Leben halt.
Eine weitere Hürde war ein relativ spontaner Aufenthalt in Neusiedl (nahe Wien) direkt vor dem Wettkampf und das bedeutete, dass ich noch eine Anreise von über 500 km zum Lauf nach Innsbruck zu managen hatte. Einen Schönheitsschlaf konnte ich somit nicht bewerkstelligen und der Wecker klingelte schon um 4 Uhr morgens am Wettkampftag. Natürlich hatte ich einen kurzen Moment darüber nachgedacht, den Lauf einfach sausen zu lassen. Hat aber nicht geklappt. Nach Innsbruck kam ich staufrei, die Startunterlagen konnte ich in letzter Minute noch ergattern und erreichte geradeso den letzten Shuttle zum Startbereich.

Der Start Natterer See

Der Start befand sich am Natterer See (Anfahrt von Innsbruck ca 30 Min.). Dort angekommen bemerkte ich, dass ich meine Trinkblase vergessen hatte. Nun ja was soll ich sagen, kann schon mal passieren. Lustig ist es allerdings nicht und so besorgte ich mir wenigstens eine kleine 0,5 Liter Flasche als Ersatz.

innsbruck alpine trail startbereich

Der K42 startete übrigens in der heißen Mittagssonne um 12.30 Uhr, Wolken waren kaum am Himmel und der Planet brannte. Das war dann die zweite Hürde, die den Lauf für mich zusätzlich beeinträchtigen würde. Müdigkeit und Hitze, keine guten Voraussetzungen.

Um Punkt 12:30 Uhr ging es auf die Strecke. Im Startbereich jubelten viele Zuschauer und der Support der Läufer, welche auf der Halbmarathon Distanz starteten und bereits im Ziel waren, war super. Die ersten drei Kilometer flogen dahin und ich empfand das Laufen noch sehr locker. Aber das war es dann auch. Sehr schnell fühlte ich die mangelnde Vorbereitung und den geringen Schlafanteil.

Während des Rennens wurde die Sonne immer intensiver und einige Abschnitte führten über Asphalt und durch den Stadtkern Hall, was meinen Beinen zusetzte. Bis Kilometer 27 würde ich behaupten, war alles erträglich und auch gut laufbar. Ich konnte mich wunderbar ablenken, denn einige schöne Trails machten unheimlich Spaß. Dann wurde es allerdings zäh und zäher. Die Anstiege wurden für mich zur Qual und mein Kreislauf spielte etwas verrückt. Einige Pausen wurden unumgänglich und kosteten viel Zeit. Die Läufer, welche hinter mir liefen und mich nun teilweise überholten waren sehr hilfsbereit, fast jeder bot seine Hilfe an. Die letzten Anstiege waren echt knackig und Zweifel kamen in mir auf. Ich sehnte mich nach Innsbruck.
innsbruck alpine trail bergpanorama
Auf den letzten Kilometern liefen wir dann zusammen mit den Teilnehmern der 15 km Strecke, welche entsprechend „speedy“ unterwegs waren. Das war schon sehr demotivierend. Im Downhill konnte ich allerdings doch noch mit dem Tempo der anderen mithalten.
innsbruck alpine trail downhill

Fotocredit: Sportograf

Ziel erreicht in Innsbruck

Ich würde lügen, wenn ich jetzt behaupte, ich hätte einen immensen Spaß an diesem Tag verspürt, weiter laufen wollte ich keinen Meter mehr nach dem Zieleinlauf. Ich genoß die Landschaft und die Atmosphäre. Das Ziel zu erreichen, war an diesem Tag ein besonders schöner Moment und die Medaille nahm ich mit Stolz entgegen. Es gibt Tage, da muss man mit kleinen Dingen zufrieden sein. Ich überquerte die Ziellinie nach etwa 6 Stunden und 15 Minuten. Für mich vollkommen OK. Übrigens das erste, was mich nach dem obligatorischem Foto interessierte, war eine Cola und ein großes Stück Kuchen. Mir ging es dann auch recht schnell wieder gut und die Qualen waren vergessen.

innsbruck alpine trail medaille

Mit Medaille und Cola ist gleich alles wieder gut.

Fazit zum Innsbruck Alpine Trail Festival

Trotz der Temperaturen und der Umstände empfand ich das Rennen wieder ein mal sehr schön. Es war mein dritter Start beim Innsbruck Alpine Trail Festival. Die Organisation ist liebevoll und die Helfer an der Strecke sehr nett. Man wollte mich sogar mit einem Schlauch abspritzen und vor dem Hitzetod retten. Unbequem und zeitaufwendig empfinde ich die Abholung der Startunterlagen in Innsbruck, da dann der Shuttle zum Start am Natterer See noch genommen werden muss (betrifft nur die Strecken K42 und K15 startet in Hall). Die Asphaltanteile des Wettkampfes empfinde ich persönlich als zu hoch. Positiv ist die Stimmung, man trifft viele bekannte Gesichter und auch Wiederholungstäter, welche den Innsbruck Alpine als Saisonstart regelmäßig nutzen.

Erneuter Start beim Innsbruck Alpine Trail 2019

Durch Zufall konnte ich einen Startplatz für 2019 gewinnen, d.h. man sieht mich auch nächstes Jahr wieder an der Startlinie. Welche Distanz es sein wird ist noch nicht entschieden. Fehlen würde mir ja die längste Strecke über 85 km noch, aber wer weiß was nächstes Jahr ist.

Brauchst du Tipps, wie du einen Trail-Wettkampf trotz schlechten Training durchziehst?

Immer wieder werde ich gefragt, kann ich diesen oder jenen Wettkampf trotzdem laufen, auch ohne das ich den Trainingsplan einhalten konnte oder länger aufgund einer Verletzung oder Krankheit ausfiel? Es gibt viele Gründe warum ein Start hin und wieder in Frage gestellt werden könnte. Eine gesunde Einschätzung dem eigenen Körper gegenüber ist allerdings das Wichtigste. Wer regelmäßig läuft kann sicher auch mal einen Wettkampf ohne adequates Training laufen. Und im Unterschied zum Strassenmarathon ist ein Traillauf viel besser für den Bewegungsapparat, da man unterschiedliche Geschwindigkeiten und Untergründe läuft.

Meine Tipps, damit es ein schöner Lauf wird:

Der Blick auf die Uhr:  Den lass mal lieber, es geht sicher nicht um Bestzeiten, sondern ums Ankommen und einen schönen Lauftag zu erleben.
Gib dir Zeit: Es ist wichtig langsam zu starten und dich nicht mit der Menge mitreißen zu lassen. Übermotivation bringt dich nicht weiter bzw. du läufst Gefahr einzubrechen. Am besten du findest deinen eigenen Flow und hast Spaß am Laufen und glaube mir, ab einem bestimmten Punkt wird es sowieso zäh.
Tagesform: Du solltest darauf achten ausgeruht zu sein und eine gute Ernährung einzuhalten.
Freue dich auf die Verpflegungsstationen: So ein Stück Schokolade oder ein Schluck Cola hat mich schon oft aus einem Motivationstief geholt. Auch das eine oder andere Hallo hilft dabei Abwechslung in den Ablauf zu bringen und sich wieder mit besserer Laune auf den Weg zu machen. Also unbedingt regelmäßig einen kurzen Stop einlegen.
Einfach machen: Das ist eigentlich das Wichtigste. Der Kopf entscheidet oft überhaupt, ob du ankommst, von daher glaube an dich und laufe für dich. Stolz darf jeder sein, der eine Ziellinie erreicht, egal nach welcher Zeit und unter welchen Umständen.
 Vorbereitung und Equipment: Eine gute Vorbereitung macht den einen oder anderen zu wenig gelaufenen Trainingskilometer wieder wett. Trinkrucksack ist sowieso Pflicht, aber denke vielleicht auch an Salztabletten, Blasenpflaster oder auch das Notgel.
Ummeldung: Wenn du gar nicht sicher bist, dann bieten viele Veranstalter die Möglichkeit auf eine kürzere Strecke zu wechseln, auf das nächste Jahr umzubuchen oder aber auch das Ticket auf eine andere Person umschreiben zu lassen.

Abschließend

Nun ja Schmerzen gab es, allerdings nicht so schlimm wie nach meinem ersten Marathon. Die Treppen ins Parkhaus waren unerwartet schmerzfrei. Ich bin trotzdem Fahrstuhl gefahren. Der Stolz hob meine Laune immens, auch wenn ich mit meinem Rennen nicht ganz so zufrieden war. Laufen bei Hitze wird definitiv meine Schwäche bleiben und unter erschwerten Umständen mag mein Körper noch weniger Leistung bringen.
innsbruck alpine trail ziel

Fotocredit: Sportograf

Das Bling Bling hat einen schönen Platz an meinem Medaillenhalter erhalten und ich suche bereits nach dem nächsten Marathon-Event.
Strasse oder Trail, was lauft ihr lieber?
Fotocredit Titelbild: Sportograf