Auf was für ein Abenteuer habe ich mich nur eingelassen? Seit letztem Wochenende ist mir die Tragweite des TransAlpineRun ein wenig klarer.

Mein Vorhaben der Transalpinerun

Der Gore-Tex TransAlpineRun (TAR), welcher mit komplett neuer Strecke vom 04.-10.09.2016 zum 12. Male stattfindet, führt in 7 Etappen von Garmisch-Partenkirchen über die Alpen nach Brixen. Insgesamt werden ca 250 km und 15.000 Höhemmeter jeweils auf und ab zu überwinden sein. Drei Länder, zwei Läufer, eine Woche – ein Traum! Ich starte mit meinem Lauffreund Geo im Team VikingsFootwear als Trailrunning Neuling. Mehr Details unter: www.transalpine-run.com

PlanB und Gore-Tex hatten vorab zu vier Trailscout Wochenenden eingeladen, um die jeweils einzelnen Etappen der brandneuen Route des TransAlpineRun zu erkunden. Ich hatte mich für das zweite Wochenende angemeldet, um mir ein Bild von der Strecke, in diesem Falle von der dritten und vierten Etappe, zu machen und um herauszufinden, was nun wirklich auf mich zukommen wird.

Und dass habe ich erlebt:

Freitag Abend machte ich mich auf den Weg nach Imst. Dort traf ich ein paar bekannte Gesichter, ein paar neue und Michael vom zweiten VikingsFootwear Team.

Goretex TransAlpineRun Teilnehmer

Die 3. Etappe führt von Imst nach Mandarfen, Pitztal und ist die längste Strecke mit knapp 48 km mit 3000 HM.

Der Start um 8:30 begann sofort zügig Richtung Berge und Trails, bewaffnet mit bestem Equipment und zwei Guides. Bereits nach 2-3 km ging mir die Luft aus und mein Puls auf Anschlag. Ich musste drosseln und die Gruppe davon ziehen lassen. Ziemlich demotiviert machte ich mich bemerkbar und fragte Jörn einen der Guides, bei mir zu bleiben, da ich mit meiner schlechten Orientierung den Weg nicht gefunden hätte und mir auch mulmig war, die Strecke allein zu bewältigen. Das Teilnehmerfeld zog sich ziemlich stark auseinander, die unglaublich schnellen, die schnellen und ich. Die Trails waren sensationell, spektakuläre Aussichten und ein ständiges auf und ab. Die Anstiege waren kräftezehrend, aber jeder gelaufene Höhenmeter machte mich stolz. Entlang dem Pitztaler Almenweg konnte man langsam das Ende erahnen, aber Regen setzte ein und es wurde ungemütlich.

Aufgrund von Erdrutschen, konnten die letzten 400 HM nicht erklommen werden und wir mussten den Abstieg ein paar Kilometer früher nehmen. Unten im Tal angekommen, hätten wir einen 10 km langen Fahrradweg bis zu unserem Hotel laufen müssen, hatten aber Glück und wurden von Heinrich Albrecht (Chef von Veranstalter Plan B) aufgegabelt und konnten somit schneller die warme Dusche erreichen. Der Abend verging bei mir recht schnell mit Essen und früh zu Bett gehen. Das spannende EM Spiel Deutschland gegen Italien mit 18 Elfmeter Schüssen hatte ich somit leider verpasst.

Die 4. Etappe

Die 4. Etappe startete am nächsten Tag von Mandarfen, Pitztal nach Sölden mit einem Streckenprofil von 27 km und ca 2000 HM, es ist die Gletscheretappe und die Gipfelhöhe liegt bei knapp 3000 Meter Höhe. Nachdem Henrik von Runningtwins meinte nicht starten zu wollen, erwägte ich kurzerhand es auch zu lassen. Das Wetter war grau, regnerisch und kalt, meine Beine schwer vom Vortag und erneute nasse Kilometer hatten so gar keinen Anreiz für mich. Aber irgendwie sagte mein Inneres, im September kannst auch nicht einfach abbrechen, nur weil dir gerade nicht danach ist und somit erschien ich natürlich pünktlich am Treffpunkt, Henrik übrigens auch. Allerdings war die Gruppe dennoch ziemlich zum Vortag geschrumpft. Ich bin gespannt, wie es sich während dem Transalpinerun verhält.

und los gehts

Direkt nach dem Start ging es stetig bergauf bis zum Rifflsee, welcher noch im dichten Nebel lag, aber kurz danach kam das gute Wetter durch und es ging ein paar Kilometer über malerische Trails downhill. Dann kam der harte und lange Anstieg zur Braunschweiger Hütte, über Schneefelder und Gestein mit teilweise schlechter Sicht. Es ging für mich nur sehr langsam voran, die Gruppe war davon geflitzt, meine persönlichen Erfolge beschränkten sich lediglich auf die Überholung der Wanderer. Bevor es runter nach Sölden ging, mussten wir erst mal eine Rutschpartie über Schnee absolvieren. In meinem Fall überlebte ich dies mit einem nassen Popo und viel Geschrei, war wahrscheinlich auch tempomässig der schnellste Abschnitt. Leider fiel ich zum Rest der Gruppe immer weiter ab und so war ein Ausstieg für mich unumgänglich. Ich wollte auch nicht, dass die anderen auf mich hätten warten müssen, um die Heimfahrt anzutreten. Das Gefühl nicht mithalten zu können, war deprimierend und nagte schon sehr an mir.

Fazit:

Es wird ein extrem harter Weg für mich werden dieser TransAlpineRun. Momentan bin ich mir nicht sicher, ob ich finishen werde oder überhaupt kann. Ich habe jetzt noch mehr Angst. Ein Optimist würde jetzt sagen, „mehr Respekt“, aber letztendlich ist es wichtig unsere persönlichen Möglichkeiten auszuloten bzw. zu verfolgen. Der Vergleich mit den schnellen Läufern an diesem Wochenende hat mich ziemlich entmutigt. Dennoch versuche ich es beiseite zu schieben und mich auf mich zu konzentrieren. Gemäß nach dem Motto „Überlebenskampf“ und am Ende wird es eventuell der Wille sein, der darüber entscheidet, ob man weitermacht oder aufgibt. Es wird ganz klar eine Grenzerfahrung werden und ich bin gespannt, wie ich da raus komme bzw. wie mein Laufpartner Geo und ich als Team funktionieren. Ich freue mich über jeden, der mich auf diesen Weg begleitet, mir Tipps gibt, mir Halt gibt oder einfach nur da ist. Fortsetzung folgt…

Goretex Transalpinerun Alpen

Offizielle Videozusammenschnitte created by Valentin Rapp